Der Frankfurter Weg der Drogenpolitik

Drogenpolitik in Frankfurt

Im Jahr 1989 wurde von der rot-grünen Stadtregierung in Frankfurt am Main ein Drogenreferat eingerichtet, um der wachsenden Drogenproblematik in der Stadt systematisch und konzeptionell begegnen zu können. Damit wurde zum ersten Mal in der Bundesrepublik eine Zusammenarbeit zwischen der Stadt, der Polizei, der Staatsanwaltschaft und den Trägern der Drogenhilfe offiziell ermöglicht. Alle Entscheidungen in der Drogenbekämpfung und Drogenprävention wurden jetzt gemeinsam geplant und durchgesetzt.

Zu Beginn der 90er Jahre war klar, dass die Frankfurter Taunusanlage als Treffpunkt der Drogenabhängigen konnte nur dann geräumt werden konnte, wenn gleichzeitig die Angebote der Drogenhilfeeinrichtungen erweitert würden. Im Laufe der Jahre wurde deshalb ein breit gefächertes Angebot geschaffen, um sowohl den unterschiedlichen Zielgruppen unter den der Drogenabhängigen als auch der Bevölkerung gerecht werden zu können.

Dieses „Frankfurter Drogenhilfesystem“ wurde seit den 80er Jahren ständig weiter entwickelt und den ständig veränderten Drogengewohnheiten angepasst. Es will Schaden sowohl bei den Drogengebrauchern als auch die Auswirkungen auf die Stadtgesellschaft möglichst niedrig halten. Deshalb wurden in der Frankfurter Drogenhilfe neben den suchtpräventiven, ausstiegsorientierten und integrativen Maßnahmen auch die sogenannten niedrigschwelligen Hilfeangebote ausgebaut, die es den Drogengebrauchern so leicht wie möglich machen sollen die Hilfe und Unterstützung anzunehmen .

Neben der Suchtprävention und den ausstiegsorientierten Hilfen entstanden die sogenannten „harm reduction“-Angebote, das bedeutet niedrigschwellige Angebote der Hilfeeinrichtungen mit denen möglichst viele Drogenabhängige erreicht und vor allem ihr Gesundheitszustand stabilisiert werden sollte.

Dazu gehören der Spritzenaustausch, Aufenthaltsräume, medizinische Versorgung, Übernachtungsmöglichkeiten und die Methadon-Substitution. Sie wurden zu dem selbstverständlichen Angeboten der Drogenhilfe entwickelt. Aber auch die sogenannten „Konsumräume“, in denen Drogengebraucher in geschützter Atmosphäre spritzen können, sind in Frankfurt nötig und werden von den politischen Parteien befürwortet und ebenso wie die inzwischen sogenannte „Frankfurter Drogenhilfe“ mit erheblichen finanziellen Mitteln unterstützt.

Das Modell der Frankfurter Drogenhilfe basiert auf gleichstarken Säulen:

  • Prävention
  • Beratung und Therapie (überlebens- und ausstiegsorientierte Hilfen)
  • Repression

Weitere Infos: www.drogenreferat.stadt-frankfurt.de

Die Suchtprävention

Suchtprävention umfasst alle vorbeugenden Maßnahmen, die zum Ziel haben, schon die Nachfrage nach Drogen zu reduzieren und Suchtverhalten von Anfang an zu verhindern.

Es ist klar, das Präventionsmaßnahmen Suchtverhalten nicht allein verhindern können, aber das Risiko kann erheblich verringert werden, und der Erstkonsum von Drogen kann möglichst lange hinaus geschoben werden.

Suchtprävention muss bereits im Kindergarten beginnen und selbstverständlich in der Schule fortgeführt werden.

Leitlinien der Suchtprävention in Frankfurt:

  • Suchtprävention ist ein Teil der Gesundheitsförderung
  • Suchtprävention ist Gemeinschaftsaufgabe
  • Suchtprävention muss im Kindesalter beginnen
  • Suchtprävention muss im Erziehungsalltag stattfinden.
  • Suchtprävention muss langfristig und zielgruppenspezifisch angelegt sein.
  • Suchtprävention muss den legalen Drogenkonsum mit einbeziehen.
  • Suchtprävention muss die Genussfähigkeit fördern.
  • Suchtprävention muss glaubwürdige Informationen anbieten.

Arbeitskreis Jugend, Drogen und Suchtprävention

Um auf den zunehmenden Konsum von synthetischen Drogen reagieren zu können, hatte das Drogenreferat schon 1995 den Arbeitskreis „Neue Drogen“ gegründet, aus dem sich inzwischen der Arbeitskreis Jugend, Drogen und Suchtprävention gebildet hat. In ihm sind alle Ämter und Initiativen vertreten, die in Frankfurt mit Jugendlichen oder jungen Erwachsenen Drogenkonsumenten arbeiten.

Fachstelle Prävention des Vereins Arbeits- und Erziehungshilfe (VAE)

Seit 1990 ist die Fachstelle Prävention des VAE die zentrale Einrichtung für Suchtprävention in Frankfurt. Ihre Aufgabe ist die Planung, Durchführung und Unterstützung von suchtpräventiven Maßnahmen. Außerdem führt sie Informationsveranstaltungen bei Fragen zu Sucht, Suchtprävention und Drogen durch. Bei der Fachstelle steht allen Interessierten eine umfangreiche Infothek und Mediathek zur Verfügung. Die Zielgruppen ihrer Arbeit sind Multiplikatoren aus Kindergärten, Schulen, der Jugendhilfe, aber auch Kindern, Jugendlichen und Eltern steht die Fachstelle zur Beratung und Hilfe zur Verfügung.

Die Fachstelle Prävention arbeitet auch konzeptionell an der Umsetzung von Gesundheitsförderungsmodellen in Einrichtungen und in den Stadtteilen und betreibt eine intensive Öffentlichkeitsarbeit.

In den vergangenen Jahren hat sich die Fachstelle Prävention große Anerkennung erarbeitet und ist der Ansprechpartner für alle Fragen zur Prävention in Frankfurt geworden. Die SPD setzt sich deshalb sehr dafür ein, dass auch künftig eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Fachstelle Prävention sicher gestellt ist.

Weitere Infos unter: www.fachstelle-praevention.de

Kontrollierte Heroinvergabe

Zusammen mit sechs weitern Städten hat Frankfurt am bundesdeutschen Modellprojekt zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger teilgenommen. Schon seit dem Jahr 1993 hatte die SPD gefordert, Heroin an Schwerstabhängige abzugeben, die rechtlichen Voraussetzungen dafür waren von der Bundesregierung allerdings erst viel später geschaffen worden. Das Projekt wird in Form einer Arzneimittelstudie durchgeführt. Mit der Studie sollte herausgefunden werden, ob, wie und in welchem Umfang Drogenabhängige, die mit anderen Angeboten der Drogenhilfe nicht oder nur ungenügend zu erreichen sind, durch eine heroingestützte Behandlung stabilisiert, integriert und zu einer weiterführenden Therapie motiviert werden können.

In Frankfurt wurde am 3. März 2003 mit der Vergabe von Heroin in der Studienambulanz in der Grünen Straße im Ostend begonnen. In der Planungsphase gab es in der Öffentlichkeit heftigen Widerstand. Eine schlechte Vorbereitung der Bevölkerung sowie der umliegenden Schulen und Kindertagesstätten und Jugendeinrichtungen durch den Gesundheitsdezernenten Nikolaus Burggraf (CDU) führten zu erheblichem Ärger und Ängsten. Glücklicherweise haben sich diese Befürchtungen nicht bewahrheitet. Die Einrichtung eines „runden Tisches Heroinvergabe“ und zahlreiche Präventionsangebote in Schulen und Kindergärten haben sicher dazu beigetragen.

Die Studie zur kontrollierten Heroinvergabe ist bis zum 30. Juni 2006 begrenzt. Die demokratischen Parteien im Frankfurter Römer setzen sich für die Fortführung der Heroinvergabe in der Grünen Straße ein. Sie fordern die Bundesregierung auf, sich dafür einzusetzen, dass die Verschreibungspflicht von Heroin als Medikament möglichst bis zum 30. Juni 2006 erreicht wird. Sollte das nicht möglich sein, wird eine Anschlussstudie gefordert. Die bisher erreichten sehr guten Erfolge mit der Heroinvergabe dürfen auf keinen Fall gefährdet werden.